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Meine letzten Tage in good old Germany

Rückwirkend gesagt, waren meine letzten Tage sehr sehr stressig. Unterm Strich hat ja nun wirklich alles zweifelsohne wunderbar und perfekt geklappt. Um mich an dieser Stelle ein wenig selbst zu loben würde ich sagen, das ich dies auch meinem guten Organisationstalent und meinem Wahn, alles organisieren und planen zu müssen, zu verdanken habe. Ich hatte nochmal die Gelegenheit, meine Freunde und Familie zu treffen, zu verabschieden, noch einige male richtig gute bayrische Küche zu geniessen und sogar noch feiern zu gehen. Aber ich fange mal mit der bayrischen Küche an. Als wäre es ein Omen, gabs in der Kantine meines Arbeitsgebers, eines großen Versicherers, der mit A beginnt und mit llianz aufhört, hahahaaaa, Bayrische Wochen bzw. Wiesn-Woche. Das Oktoberfest stand ja kurz bevor und da dachte sich der wohl ultra kreative Kantinenchef, doch mal bayrische Wochen zu machen. Wirklich, sehr originelle Idee. Noch dazu weil man seit Wochen in München eh keine Brezen rumhängen sieht, man nirgends, aber wirklich nirgends, weiß-blau karierte Servietten und Tischdecken, geschweige denn Wimpel sieht. Und, lustigerweise auch kein einziges Trachtengeschäft Neueröffnung gefeiert hat. Aber für mich umso besser, denn so hatte ich nochmal die Gelegenheit, Rahmschwammerl mit Semmelknödel, Käsespätzle, Schweinebraten und Rollbraten zu essen. Bei jeder Scheibe Schweinefleisch dachte ich mir „halb so schlimm, Couscous kriegst jetzt dann eh zum Schweinefüttern“. Welch nettes Wortspiel…. Na gut, wie gesagt, bayrische Wochen. Und ich habs genossen. Eine Woche vor dem Umzug habe ich tatkräftige Unterstützung durch meine Mutter bekommen. Mit viel Energie und Kraft, so wie ich sie kenne und liebe, kam sie. Da ich bis einen Tag vor Abflug arbeiten musste/durfte, war ich sehr froh eine so tolle Unterstützerin zu haben. Während ich im Büro war, meine Vertretung eingearbeitet habe, meine Übergabe vorbereitet habe, hat sie alle meine Sachen, und das ist so einiges, schön in Zeitungspapier eingepackt, und in die Kartons verstaut. An der Stelle sei erwähnt, das der Herr vom Umzugsunternehmen wohl bei mir nicht seinen ersten Umzug gemacht hat. Er schätzte, ich benötige für meinen Krims und Krams 50 Umzugskartons, welche er mir auch lieferte. Am Tag des Umzugs konnte ich es kaum glauben, denn, 49 Kartons haben wir tatsächlich gebraucht. Ein einziger ist übrig geblieben. Gut geschätzt, Meister  Nun gut, die Sachen waren verpackt, und Mama und ich waren immer wieder –umzingelt vom Chaos, von den Kartons und Koffern, im Tal der Tränen und in Abschiedsstimmung. Diese Gefühle waren ein dermassenes Wechselbad, das es mir gerade richtig schwer fällt diese zu beschreiben. Ein Mix aus Trauer und Vorfreude, zusammen mit der Angst einsam und allein unter Palmen zu sein. Hinzu kamen auch Gefühle des schlechten Gewissens. Und zwar, weil ich immer damit zu kämpfen hatte und habe, meine Mutter alleine zu lassen. Ich habe ihr einmal versprochen –Leute die mich kennen wissen, das es am Grab meines Vaters war- sie nie alleine zu lassen. Und jetzt tu ich es doch. Aber ist es tatsächlich ein allein lassen? Ich weiß es nicht…was diese Frage betrifft, bin ich immer wieder hin- und hergerissen… Und gerade jetzt in diesem Moment, liege ich in meinem Bett im 2. Stock meines Hotels, sehe an der Wand des Balkons den Schatten der Blätter und Blüten im Winde wehen, und mein Ipod spielt das Lied „live is for living, and living is free“…. Und dieses Lied verbinde ich mit einem ganz besonderen Menschen. Mit meinem Arbeitskollegen, bzw. besser gesagt mit meinem Arbeitsehemann. Andi wenn Du das hier liest…ich denk an Dich und vermisse Dein guten-Morgen-Winken durch die Glasscheibe  . Andi hat nämlich –obwohl das verboten ist bei uns in der Arbeit- ein Radio am Schreibtisch stehen. Und immer wenn es die Gegebenheiten erlaubt haben, wurde die Musik angedreht. Und eines Tages –da war ich gerade mitten in der Entscheidungsfindung was mein Auslandsjahr betrifft- stand ich bei ihm am Schreibtisch und hab ihm mal wieder mein Herz ausgeschüttet, und im Radio lief genau dieses Lied…so, jetzt bin ich aber ganz schön abgeschweift. Zurück zum Thema…Abschiedsstimmung und Kisten packen…. Inmitten des Chaos wollte ich es allen Recht machen. Meinen Kollegen, in dem ich noch alles zu Ende bringe, was anstand, meiner Vertretung, der ich so viel ich konnte beibringen wollte, um ihr den Start zu erleichtern und um mit einem guten Gefühl gehen zu können, meiner Mama, damit sie die letzten Tage in denen ich noch da war auch was von mir hat –außer meine Kisten zu packen, meinen Freunden, die mich natürlich auch noch einmal gerne sehen wollten. In den letzten Tagen dachte ich, mich verlassen die Kräfte. Es hat angefangen das ich schlecht schlafe, und das mich meine Todo-Liste zu jeder Zeit verfolgt hat. Die Frage nach „hast du was vergessen?“, „hast du was übersehen“, „was muss ich noch erledigen“ hat mich fast irre gemacht. Aber, bis jetzt glaube ich, alles erledigt zu haben und nix vergessen zu haben. Der Umzugstag rückte näher, und aber vorher noch die „Abschiedsparty“. Eigentlich war es ja der Geburtstag einer Freundin, aber irgendwie war es auch eine Art Abschiedsparty. Die Stimmung war gut und ausgelassen, und ich hatte immer das Gefühl im Nacken, nicht zu viel trinken zu dürfen, weil ja am nächsten Morgen um 8 die Umzugsleute vor der Tür stehen. Und so war es dann auch. Um 7.30 Uhr, ich gerade verkatert aus der Dusche gestiegen, höre ich ein rackeln und rumpeln vor der Tür. Da stand er nun, der Umzugswagen samt Anhänger, und 3 mehr oder weniger starke Männer –rein äußerlich betrachtet, haha. Schwuppdiwupp, so schnell konnte ich teilweise gar nicht kucken, wurde die Wohnung leerer und lerrer, und der Umzugswagen voller und voller. Nach 4 Stunden war die Bude leer. 2 Jahre habe ich darin gelebt, nach der Trennung von Axel wurden diese Räume nach und nach zu meiner Oase, zu meinem zu Hause, zu meiner Wohlfühlzone. Viele tolle und aber auch viele traurige Momente habe ich darin erlebt. Unterm Strich vielleicht mehr traurige und einsame Momente…ja, ich glaube die negativen haben überwogen. Die letzten 2 Jahre war ich sehr traurig, oft einsam. Und dies war der Hauptgrund der mich dazu bewogen, meinem alten Leben für eine gewisse Zeit Au revoir zu sagen. Freunde und Kollegen haben mich immer darauf angesprochen, das ich so ausgelassen sei, so ein Sonnenschein, ein Strahlemann. Ja, nach aussen vielleicht. Oder vielleicht bin ich es auch. Aber, tief in mir drin war ich doch oft unzufrieden, einsam eben. Ich sehnte mich nach einem Partner, nach dem Gefühl angekommen zu sein. Und habe es gesucht und gesucht, und aber nie gefunden. Immer wenn ich dachte, ich hätte es gefunden, oder da wäre jemand, der mir das vielleicht mal bieten könnte, wurde ich schneller als ich kucken konnte, eines besseren belehrt. Dieses Gefühl der Rastlosigkeit, des Suchens ist etwas, das einem mit der Zeit echt mächtig auf den Zeiger gehen kann. Nun gut, zurück zur leeren Wohnung. Wir machten uns auf den Weg nach Niederbayern. Ich hatte ja das Glück, meine Sachen bei meinem Bruder einlagern zu dürfen. Denn eigentlich hat er genug Platz im Keller. Aber wie das ja immer so ist, wenn man zu viel von etwas hat, schätzt man es weniger. Und so war es bei ihm auch. Rieeesen Platz, und alles aber einfach nur irgendwo hingestellt. So zum Beispiel das 12-Mann Zelt, das einfach in der Mitte am Boden lag. Oder der Sonnenschirm mit x-Meter Durchmesser. Aber gut, für was hat man eine nette Schwester die ihr Zeug dort einlagert? Ich musste mir Platz schaffen, und das tat ich eine Woche vor dem Umzug. Zusammen mit Mama habe ich den Keller ausgemistet, strukturiert (da war es wieder, das was ich so gut kann), und geputzt. Und nun war er ready für meinen Krempel… Die Autofahrt war etwas einsam. Ich wusste ja das es das letzte Mal für mich ist, das ich diese Strecke fahre. Und ich hatte den Wunsch, mich damit nun aber nicht auseinander zu setzen. Und so dachte ich, könnte ich die Fahrt ja mit Telefonaten überbrücken. Aber das war eben nur der Plan. Der nicht aufging. Denn, ich erreichte niemanden. Samstag Mittag, kurz vor 12 Uhr. Klar, alle waren sie einkaufen, essen, ausschlafen, ausflügeln….und ich war gezwungen, mich nun doch damit auseinander zu setzen. Und das geht am besten mit schnulziger Musik. Wenn ich was mache, mache ich es richtig. Und angefangen von Celine Dion bis hin zu Eric Clapton, über Münchner Freiheit. Alles ganz dramatisch und traurig, und ich konnte meinen Gefühlen freien Lauf lassen. Die Tränen die ich während dieser Fahrt vergossen habe, hätten den ein oder anderen Eimer füllen können. Aber ich glaube es war notwendig. Für mich zu sein, und meine Gefühle raus zu lassen. Am Zielort angekommen, ging es dann auch wieder Schlag auf Schlag. Ich habe die Brotzeit für die starken Männer vorbereitet, noch einmal die Räume gecheckt, in die meine Sachen nun für 1 Jahr verweilen dürfen, und versucht einen kühlen Kopf zu bewahren. Nicht einmal 4 Stunden später war der Umzugswagen leer, und dann auch relativ schnell mein Geldbeutel  die Jungs wollten ja schließlich bezahlt werden. Und ich wäre nicht die Anja, wenn ich jetzt sagen würde, nach dem stressigen Tag des Umzugs und der vorangegangenen halbwegs durchzechten Nacht, das ich mir einen ruhigen, entspannten Abend gemacht habe. Nein nein nein, natürlich nicht. Wir gingen feiern. Und vorher Essen. Das heisst, es blieb null Zeit um durchzuschnaufen. Raus aus den Arbeitsklamotten, unter die Dusche, Koffer durchwühlen nach einem halbwegs partytauglichen Outfit und ab ins Auto. Planmässig sollte es ein nochmal richtig genialer Partyabend werden. In der Realität hat er aber anders ausgeschaut. Nämlich völlig müde und kaputt. Und todtraurig. Denn, Eva war mit dabei. Und Eva ist eine der wichtigsten Personen in meinem Leben. Und ich wusste, das ich mich bald von ihr verabschieden muss. Und das ich sie für einige Zeit nicht mehr in meiner Nähe habe, nicht mehr so greifbar habe. Und das hat mir die Stimmung versaut. Hinzu kam, da meine Kräfte und Nerven durch die vorangegangene Zeit eh schon angeknackst waren…und umso sensibler war ich. Immer wieder kullerten die Tränen…und auch jetzt gerade tun sie das. Denn, und das muss ich an dieser Stelle nun erwähnen, ich bin so dankbar das mir das Leben diesen Menschen geschenkt hat. Einen Menschen der immer, aber wirklich immer für mich da ist. Selbst wenn sie andere Probleme und Sorgen hat, die ihr die Kräfte rauben, kann ich immer auf sie zählen. In meinen schwersten Zeiten war sie für mich da. Ausnahmslos. Ich kann bei ihr sein wie ich bin, erzählen wie es ist, kein Blatt vor den Mund nehmen. Ich darf meine Gefühle und Emotionen, mein Empfinden und mein Denken ausdrücken ohne befürchten zu müssen, das sie es beurteilt oder verurteilt. Und das ist Gold wert. Für mich ist dieser Mensch Gold wert. Inschallah, sie wird mich mein Leben lang begleiten! Und ich sie!! Und ich hoffe das ich ihr all das was sie für mich getan hat auch einmal zurück geben kann. Sie hat schon viel durchgemacht mit mir…
4.10.14 12:35


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Emotionen über Emotionen…Das schwere Los Tochter zu sein ;-)

Ja, die Emotionen sind so eine Sache. Ich hab vorher ja schon über meine Mama erzählt. Und meine Mama verdient hier ein separates Kapitel. Sie hat sehr gelitten mit meiner Entscheidung, und ich glaube sie tut es immer noch. Mir bricht es jetzt schon das Herz wenn ich an unseren Abschied denke. Aber da müssen wir durch. Sie und ich. Ich mache mir aber mehr Sorgen um sie. Denn ich weiß für mich, dass ich es durchziehe und das es für mich keinen Weg zurück gibt.

Das es für mich die richtige Entscheidung ist. Aktuell. Ob sich das ändert,wird sich zeigen.

Aber meine Mama macht sich Sorgen, große Sorgen. Ob das alles ein Fehler ist, ob das denn überhaupt sein muss. Wieso kann ich mich nicht innerhalb Deutschlands oder Österreichs verändern (hihi, süße Idee oder? *g*) wenn ich nach einer Veränderung suche. Warum muss es Ägypten sein. Warum muss es überhaupt eine Veränderung sein.

Sie hat Angst davor, dass ich unglücklich bin, das ich unglücklich werde, das ich mich verliebe, nie wieder zurück komme. Das man mich schlecht behandelt, meine Gutgläubigkeit ausnutzt, mir weh tut.

Alles sind Ängste, die mir Angst machen. Und die ich sehr gut nachvollziehen kann.

Aber ich muss es tun, für mich. Ich muss und will es probieren, wagen, versuchen. Nur dann kann ich sagen, ob oder das es richtig war oder nicht. Ich werde es mir sonst immer vorwerfen und mir die Frage stellen, wie es denn wohl gewesen wäre….ich will es nicht versäumen, in diesem einen einzigen Leben das ich habe, mir diesen Traum zu erfüllen. Den Wunsch nach Orient zu erfüllen. Arabische Luft schnuppern.

Mama laß mich ziehen….

…nichts ist in Stein gemeißelt. Sollte irgendetwas nicht so sein, wie ich es mir vorstelle, sollte ich traurig und unglücklich sein, dann kannst Du gar nicht so schnell schauen, wie ich in einem Flieger nach Deutschland sitze. Das verspreche ich Dir!

 

Ich bin mir bewusst, dass mich sicherlich auch mal das Heimweh plagt. Die Sehnsucht nach daheim. Ich weiß das ich meine Freunde vermissen werde und meinen deutschen Alltag. Ganz bestimmt wird es Momente geben, in denen die Tränen kullern. Aber vielleicht ist das der Preis dafür. Der Preis für eine Erfahrung; für eine Lebenserfahrung, die ich jetzt scheinbar machen muss.

22.8.14 08:11


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